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Wie das? Mutter und Sohn in der gleichen Vorlesung

Montag, 14. November 2016
von Andrea Back in der Kategorie E-Learning | 1 Kommentar zu diesem Artikel

 

Am 25. August öffne ich, Andrea Back, eine Mail, die mir etliche Stunden Schlaf rauben wird. Im Titel steht „Put Your Imagination to Work“, und es ist eine Einladung zu einem über 7 Wochen laufenden Open-Online-Kurs über Internet of Things: „Imagine IoT“. Ich melde mich an, so wie weltweit 17.945 andere auch, obwohl ich wirklich nicht weiss, wann ich das nebenher unterbringen soll. Nun, wie sich später herausstellt, meist nach Mitternacht, denn nach zwei MOOCs, wo ich wie viele nach 2-3 Wochen zum Abbrecher geworden bin, habe ich diesen Online-Kurs zu Ende gebracht.
Diese Erfahrung hat einiges in meinem Denken bewirkt, was ich mitteilenswert finde.

Auch MOOCs können praktische Aufgaben und Übungen
Im Kurs wird die Design-Thinking-Methode eingeführt und die Teilnehmer sollen eine Idee für einen IoT-Prototyp mit verschiedenen Tools dokumentieren. Dafür gibt es die Hälfte aller Kurspunkte. Der Workflow für den in der Plattform abbildbaren Peer-Review-Prozess funktioniert gut. Ich bin positiv überrascht, wie man auf diese Weise nicht nur Multiple-Choice-Fragen, sondern auch anspruchsvolle praktische Aufgaben stellen kann, selbst wenn Hunderte von Einreichungen zu bewerten sind. Und dabei garantiert das didaktische Design Lerneffekte bei jedem, der oder die mitmacht. Hut ab, gut gemacht!

 

Selbst als Rucksack-Tourist kann man beim Unterwegssein studieren
Das Versprechen, dass Open-Online-Kurse Wissen auch an den Rand des Dschungels bringen, gilt als eingelöst. Mein Sohn hat sich nach dem Schulabschluss auf eine mehrmonatige Reise nach Lateinamerika begeben. Meinen Bemutterungstipp, dass er sich im Hinblick auf seine zukünftige Studienabsicht doch einmal einen Open-Online-Kurs ansehen sollte, hat er angenommen. Dass er den Kurs sogar abschliesst, und nicht nur reinschnuppert, hätte ich nicht erwartet, allein schon weil ich dachte, es scheitert am Zugang zum Internet. Aber - trotz ständigen unterwegs sein, hat sich auch in Chile, Brasilien, Peru etc. immer eine Internetverbindung gefunden.

 

Zulassungsvoraussetzungen sind Old School - OPEN gibt gleiche Chancen
Wie es schon im Titel steht - an einer Internet-Hochschule studiert man generationenübergreifend. Mein Sohn, frisch gebackener Maturand bzw. Abiturient, hat den Kurs, wie man oben an einem Zwischenergebnis sieht, weit besser bestanden als eine Mitstudentin, die 40 Jahre mehr Fach- und Berufserfahrung hat und ihm um zwei Doktortitel voraus ist. Sogar zwei Best-of-Bewertungen gab es für die IoT-Idee und den Prototypen eines Teenagers. Wie wichtig sind da noch Zulassungsbedingungen? Das OPEN macht viel mehr Diversität möglich. Wer nicht bis zum Zertifikat weiter macht, verliert nichts – im Gegenteil, man nimmt auf jeden Fall das Gelernte mit.

 

Criss-Cross-Learning statt Flipped Classroom
Für unser Kursprogramm, am liebsten im Strang Handlungskompetenzen, möchte ich einen Kurs zu Internet of Things entwickeln. Wir sind eine Präsenzhochschule und das finde ich auch sehr gut so. Statt jetzt selber Folien zu „malen“, könnte ich diesen Open Online Kurs doch als Lernmaterial heranziehen, ähnlich wie ein Lehrbuch. Zuerst mag man an ein Flipped-Classroom-Design denken, d.h. erst die Open-Online-Selbststudiumsphase, dann die Präsenzlernphase. Nun, so ganz befriedigt mich dieses Konzept nicht. Ich stelle mir das Lernszenario eher als Criss-Cross-Learning vor: Mich mit dem Flow des Online-Kurses zu verweben und als Dozentin mit den Studierenden, die vor Ort sind, Lernmehrwerte zu schaffen. Wer kann von Erfahrungen berichten? Es ist noch genug Zeit, die einfliessen zu lassen.

1 Kommentar zu diesem Artikel

Diskutieren Sie mit

Martin Geisenhainer (vor 312 Tagen)

Die Verflechtung von Online Inhalten in einem Criss Cross Konzept finde ich schon mal sehr interessant. Und würde gleich noch einen Schritt weitergehen. Was bei innovativen Organisationen schon praktiziert wird, für Hochschulen (oder auch für Schulen generell) vielleicht noch zu ketzerisch erscheint: User generated Content. Warum sollen die Lernenden nicht zu Lehrenden werden und das, was überlicherweise als Referat den Mitstudierenden beim Einschlafen hilft, in Form von Impulsen online einstreuen können?

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Prof. Dr. Andrea Back

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