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Kolumne: Augmented Reality am Frühstückstisch - ganz ohne Computertechnik

Dienstag, 15. November 2016
von Andrea Back in der Kategorie Kolumne | 2 Kommentare

Einmal abgesehen von Pokemon Go: Beginnt sich Virtual Reality in unserem Alltag zu etablieren oder kommt es mir nur so vor? Meine Erlebnisse in den letzten Wochen sprechen dafür.

 
Am Flughafen Zürich stand unter den Wartenden in der Abflughalle ein Herr mit Virtual-Reality-Brille. Er fuchtelte mit seinen Armen in der Luft herum und drückte von uns nicht zu sehende Bedienelemente. Ich machte mir Sorgen, dass er herumlaufen und in für ihn nicht ersichtliche Hindernisse prallen könnte. Er trug nämlich nicht die Mixed-Reality HoloLens Brille, bei der die reale Umgebung als Bühne für die virtuellen Einblendungen sichtbar bleibt.


In der Bahnhofshalle von Zürich hatte ich dann die Gelegenheit, selbst eine Gear-VR-Brille überzuziehen. Dort war ein Demostand für die Virtual Reality App von Ikea aufgebaut, mit der man durch eine Küche und weitere Zimmer laufen und Gegenstände bewegen kann. Obwohl der Standbetreuer auf mich aufpasste, war meine grösste Sorge, mir an den physisch vorhandenen Realitäten die Nase anzuschlagen, oder dass sich jemand die nun von meiner Wahrnehmung ausgeblendete Handtasche schnappen würde. Dieses Eintauchen in eine künstliche Welt, das muss man wirklich einmal erleben. Faszinierend wie schnell und vollständig man sich woandershin transportiert fühlt. Dabei wirkt die computergenerierte Welt doch künstlich – die Farben und insbesondere das Weiss sind so hell und strahlend, dass ich dachte, so muss es wohl sein, wenn man diese Lichttunnelwahrnehmung hat, von denen Leute mit Nahtoderfahrungen berichten. Ich jedenfalls habe die Gear schnell wieder abgenommen.


Das VR-Thema ging mir aber nicht mehr aus dem Kopf. Neulich, am Frühstückstisch, erinnerte ich mich wieder an das Improved Reality Kunstprojekt „The Artvertiser“. Wenn man seine Umgebung durch eine digitale Brille betrachtet, wird auf bestimmte Flächen Kunst – oder auch Werbung – projiziert; Bilder, die in Realität gar nicht da sind. Das ist Augmented Reality. Auf die Art, kam ich ins Fantasieren, könnte ich meine Porzellantasse mit wechselnden Mustern dekorieren. Ganz nett!


Aber was sich wirklich vor meinem inneren Auge abspielte, waren all die mit dem Kauf der Tasse verknüpften Erinnerungen. Wie ich sie auf Reisen im Schaufenster entdeckt und es trotz knapper Zeit geschafft hatte, am nächsten Tag hinzugehen. Wie ich höllisch aufpassen musste, dass die Verkäuferin – offensichtlich ganz neu im Laden – die richtigen Farben einpackte. Im Ohr noch der erstaunte Tonfall des Zöllners, der vor mir gerade zwei iPhone-Käufern die Ausfuhrbestätigung erteilt hatte: Porzellantassen??!? murmelte er vor sich hin, als ob ich „pulverisiertes Stroh-Make-up“ deklariert hätte. Wie die Verpackung schweren Herzens zurückbleiben musste, da sie einfach nicht mit ins Handgepäck passte. Und so weiter.


Da wurde mir klar: Augmented Reality bietet unser Gehirn schon lange, ganz ohne Computertechnik, zumindest wenn man nicht nur Online Shoppen geht.

 

Bildquelle: https://s1.tagesspiegel.de/kpm-berlin-fruhstuckstasse-blanko.html

Wie das? Mutter und Sohn in der gleichen Vorlesung

Montag, 14. November 2016
von Andrea Back in der Kategorie E-Learning | 1 Kommentar

 

Am 25. August öffne ich, Andrea Back, eine Mail, die mir etliche Stunden Schlaf rauben wird. Im Titel steht „Put Your Imagination to Work“, und es ist eine Einladung zu einem über 7 Wochen laufenden Open-Online-Kurs über Internet of Things: „Imagine IoT“. Ich melde mich an, so wie weltweit 17.945 andere auch, obwohl ich wirklich nicht weiss, wann ich das nebenher unterbringen soll. Nun, wie sich später herausstellt, meist nach Mitternacht, denn nach zwei MOOCs, wo ich wie viele nach 2-3 Wochen zum Abbrecher geworden bin, habe ich diesen Online-Kurs zu Ende gebracht.
Diese Erfahrung hat einiges in meinem Denken bewirkt, was ich mitteilenswert finde.

Auch MOOCs können praktische Aufgaben und Übungen
Im Kurs wird die Design-Thinking-Methode eingeführt und die Teilnehmer sollen eine Idee für einen IoT-Prototyp mit verschiedenen Tools dokumentieren. Dafür gibt es die Hälfte aller Kurspunkte. Der Workflow für den in der Plattform abbildbaren Peer-Review-Prozess funktioniert gut. Ich bin positiv überrascht, wie man auf diese Weise nicht nur Multiple-Choice-Fragen, sondern auch anspruchsvolle praktische Aufgaben stellen kann, selbst wenn Hunderte von Einreichungen zu bewerten sind. Und dabei garantiert das didaktische Design Lerneffekte bei jedem, der oder die mitmacht. Hut ab, gut gemacht!

 

Selbst als Rucksack-Tourist kann man beim Unterwegssein studieren
Das Versprechen, dass Open-Online-Kurse Wissen auch an den Rand des Dschungels bringen, gilt als eingelöst. Mein Sohn hat sich nach dem Schulabschluss auf eine mehrmonatige Reise nach Lateinamerika begeben. Meinen Bemutterungstipp, dass er sich im Hinblick auf seine zukünftige Studienabsicht doch einmal einen Open-Online-Kurs ansehen sollte, hat er angenommen. Dass er den Kurs sogar abschliesst, und nicht nur reinschnuppert, hätte ich nicht erwartet, allein schon weil ich dachte, es scheitert am Zugang zum Internet. Aber - trotz ständigen unterwegs sein, hat sich auch in Chile, Brasilien, Peru etc. immer eine Internetverbindung gefunden.

 

Zulassungsvoraussetzungen sind Old School - OPEN gibt gleiche Chancen
Wie es schon im Titel steht - an einer Internet-Hochschule studiert man generationenübergreifend. Mein Sohn, frisch gebackener Maturand bzw. Abiturient, hat den Kurs, wie man oben an einem Zwischenergebnis sieht, weit besser bestanden als eine Mitstudentin, die 40 Jahre mehr Fach- und Berufserfahrung hat und ihm um zwei Doktortitel voraus ist. Sogar zwei Best-of-Bewertungen gab es für die IoT-Idee und den Prototypen eines Teenagers. Wie wichtig sind da noch Zulassungsbedingungen? Das OPEN macht viel mehr Diversität möglich. Wer nicht bis zum Zertifikat weiter macht, verliert nichts – im Gegenteil, man nimmt auf jeden Fall das Gelernte mit.

 

Criss-Cross-Learning statt Flipped Classroom
Für unser Kursprogramm, am liebsten im Strang Handlungskompetenzen, möchte ich einen Kurs zu Internet of Things entwickeln. Wir sind eine Präsenzhochschule und das finde ich auch sehr gut so. Statt jetzt selber Folien zu „malen“, könnte ich diesen Open Online Kurs doch als Lernmaterial heranziehen, ähnlich wie ein Lehrbuch. Zuerst mag man an ein Flipped-Classroom-Design denken, d.h. erst die Open-Online-Selbststudiumsphase, dann die Präsenzlernphase. Nun, so ganz befriedigt mich dieses Konzept nicht. Ich stelle mir das Lernszenario eher als Criss-Cross-Learning vor: Mich mit dem Flow des Online-Kurses zu verweben und als Dozentin mit den Studierenden, die vor Ort sind, Lernmehrwerte zu schaffen. Wer kann von Erfahrungen berichten? Es ist noch genug Zeit, die einfliessen zu lassen.

Wearable Interface Innovationen

Freitag, 11. November 2016
von Sabine Berghaus in der Kategorie Mobile Business | 0 Kommentare
Wenn Technologie am Körper getragen wird, erlaubt dies einerseits neue Zugriffsmöglichkeiten auf Informationen, aber auch neue Wege der Bedienung und Interaktion mit der Technologie. In diesem Monat haben wir zwei spannende Projekte gefunden, die sich beide mit tragbarer Technologie für verschiedene Behinderungen befassen. Beide Projekte beinhalten spannende Ansatzpunkte, die sich potenziell auch in anderen Anwendungsszenarien einsetzen lassen. 
 
Das Schweizer Startup Eyra aus Chiasso hat mit Horus einen tragbaren Assistenten für Blinde entwickelt. Das Headset bietet eine Objekterkennung, z.B. Gesichtserkennung, und Texterkennung, die dem Nutzer als Sprache via Knochenleitung übertragen wird. Damit kann beispielsweise auf Hindernisse hingewiesen werden. Über Machine Learning lernt Horus dabei stets weiter. Das folgende Video zeigt die Nutzung und Anwendungsfälle von Horus. 
 

 
Die digitale Prothese "Shortcut" ist ein Projekt von drei Masterstudenten der Weißensee Academy of Art Berlin zusammen mit Ottobock und Fab Lab Berlin. Shortcut verwendet ein Armband, das winzige Bewegungen von einer Armprothese in Gesten übersetzt, mit denen ein Computer gesteuert werden kann. So können bekannte Funktionen wie linker und rechter Mausklick, Zoomen, oder Drag & Drop mit Mikro-Bewegungen abgerufen werden, wie im folgenden Video zu sehen ist: 
 

Papers suchen und finden mit Artificial Intelligence

Freitag, 11. November 2016
von Vanessa Guggisberg in der Kategorie E-Learning | 2 Kommentare

Mehr als 30 Millionen Research Papers gibt es zu lesen - aber wer hat heute noch die Zeit dafür? Wahrscheinlich niemand. Die meisten Wissenschaftler forschen zu einem Nischen-Gebiet und kennen als Experten auf diesem auch die Suchwörter. Möchte man sich aber neu orientieren oder an ein neues Gebiet anknüpfen, stösst man mit dem angereicherten Wissen jedoch schnell an seine Grenzen. Iris glaubt, genau hier anzuknüpfen. Iris ist eine Artificial Intelligence Technologie, die auf Basis eines Abstracts oder Volltexts Informationen analysiert und zusammenfasst. Das Tool ist simpel: Füttert man es mit einem Link zum Abstract, synchronisiert es Schlüsselkonzepte und präsentiert dem Nutzer die wichtigsten Artikel aus dem Pool von über 30 Millionen "Open-Access" Papers. 

 

Iris ist noch jung (erst letzte Woche gestartet) und macht daher noch Fehler. Da die Technologie aber lernfähig ist und durch die Anzahl Nutzer besser wird, hat sich Iris vorgenommen, ein "AI Scientist" zu werden. Bis dahin ist es wohl noch ein längerer Weg, jedoch liegt in der Technologie viel Potential für die ganze Wissenschaft und Universitäten. Iris richtet sich aber auch an Forschung & Entwicklungs-Abteilungen von internationalen Unternehmen, welche grosse Datensets analysieren.

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Prof. Dr. Andrea Back

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